In
Sibylle Ettengrubers „Der Raum hinter der Karte - Gehen nach Plan“ geht es darum,
Grundrisse, Grenzen und Abgrenzungen, Bahnen, Wege, Straßen, Mauern, Zäune,
Markierungen und eine Menge öffentlicher und privater Ordnungen und Bedeutungen zu

durchqueren, zu überschreiten und zu „übergehen“ - im zweifachen Sinne von sowohl
ignorieren als auch einfach physisch darüber zu laufen. Und es geht auch darum, zu
durchkreuzen - auch hier in einem doppelten Sinn, weil einmal der vorgegebene Sinn
durchkreuzt wird, indem zum Beispiel die Funktion einer Mauer nicht akzeptiert wird, und
andererseits, weil das geradlinige Verfahren der Künstlerin vom eingewohnten Muster der
gegebenen Situationen als ein kreuz und quer laufen erscheinen muß. Diese Art der Freiheit
deckt einen anderen Lebensraum auf, der wesentlich größer und älter ist als die kleinteiligen
kulturellen Muster.

Franz Xaver Baier, im Rahmen der Ausstellung besetzt/ frei oder der freie Umgang mit dem besetzten Raum
Gemeinschaftsausstellung
afo architekturforum oberösterreich

Künstlervereinigung MAERZ
Kuratoren: Gerhard Brandl, Gerhard Neulinger, Christoph Weidinger

Pressetext besetzt_frei


A walk according to its own rules. Sybille Ettengruber
Walk on by – unfolding a map °2
The first impression we get when watching the video is that we look at someone who decided to make a regular recording of their walkabout. Bu we promptly realise that something is not quite right with this quasi-documentary. The film presents Białystok on one of the very first, cold days of Spring - people are still wearing warm jackets. One girl is walking straight ahead wearing only a black dress which doesn’t even cover her arms. The passersby seem to be perplexed more by her behaviour though. She doesn’t appear to stick to any set routes, pavements or paths. She is boldly striding through the city lawns and crossing the streets in random places not paying attention to traffic lights and cars. She is entering random flats through the windows and leaving through the windows on the opposite side. She is even crossing the river. She seems to be setting her directions herself in an attempt to show that our usual routes are purely the matter of convention and this way refuses to obey the conventional restraints.
The direct lines of Sybille's path formed an equilateral triangle. Two sides were a transposition of the Białystok central market's shape. The whole trip took place near the Arsenal Gallery. The video was a documentation of this trip carried out in accordance with the rules set by the artist herself. She skilfully edited the recorded material so that the viewer could have watched her way through the people's flats. Without unnecessary shots one scene dissolves into the next, where she walks through a park or crosses the river. In practise not everything went so smoothly but the audience was spared the scenes in which the artist would seek permissions for entering someone's house or wait for the cars to go. The trip ended right back where it started. Moving in defiance of the set rules and restraints became an autonomous activity – the artist herself was responsible for laying out her paths on the basis of her imaginary plan.
Marta Ryczkowska

http://performancearsenal.blogspot.com/



Sibylle Ettengruber – Eine Revolution des musealen Betrachterblicks
„Ein Voyeur schaut um zu sehen, nicht um sich etwas auszudenken.“
Sibylle Ettengruber

Für den letzten One-Night-Stand am 21. September 2009 plant Sibylle Ettengruber
eine Performance, die sie in den verschiedenen Gebäuden am Platz vor dem
Landesmuseum aufführen wird. Die Künstlerin wird hinter Fenstern von

Privathäusern sporadisch sichtbar werden, wo anders wieder auftauchen und im
Dunkel der hereinbrechenden Nacht entschwinden. Im Ausstellungsraum der
Landesgalerie sind ein Fernrohr und mehrere Feldstecher in Blickrichtung auf die
benachbarten Gebäude positioniert.
Die Ausstellungsbesucher können sich der Darbietung in privaten Räumlichkeiten
durch einen Blick durch ein Fernrohr oder durch Feldstecher visuell nähern, - einer
Performance, die ihnen – da im privaten Milieu, sonst nicht zugänglich wäre.
Es ist vielleicht ein bißchen so, als befände sich das One-Night-Stand-Publikum in
einer Aussichtskabine. Etwas, was normalerweise nicht zulässig ist, nämlich in
fremde Häuser zu schauen, wird hier Teil eines Kunstprojektes. Die Künstlerin
kultiviert den verbotenen Blick, einen Blick in die Intimität der gesetzlich geschützten
Privatsphäre. Ein Ziel des künstlerischen Konzeptes ist daher die empirische und
visuelle Aneignung von privaten Räumen, wenn auch nur für einen kurzen
Augenblick.
Bietet der Blick aus dem Museumsfenster eine Sicht auf eine Wirklichkeit fern jener
museumsüblichen Repräsentationen wie sie anhand der ausgestellten Exponate
stattfindet?
von Brigitte Reutner

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